Störungen im Kinder- und Jugendalter

Die Fragen beantworten Dr. Stixrud und Dr. Clark.

William Stixrud

Dr. William Stixrud ist klinischer Neuropsychologe und Leiter der Gemeinschaftspraxis William Stixrud und Kollegen in Silver Spring, Maryland, USA. Seine Spezialgebiete sind Lern- und Aufmerksamkeits- sowie soziale und emotionale Störungen. Dr. Stixrud ist zudem Lehrbeauftragter am Children's National Medical Center in Washington, D.C. Er graduierte in Psychologie an der University of Minnesota. An der University of Washington graduierte er mit "Magna Cum Laude".

Christopher Clark

Dr. Christopher Clark, Arzt, graduierte an der Yale University School of Medicine, Department of Psychiatry, New Haven, Connecticut, USA, und nimmt am Fellowship-Programm für Kinderpsychologie der University of Washington teil. Er praktiziert seit über 20 Jahren. Derzeit arbeitet er als Psychiater in Vero Beach, Florida, USA.

Frage: Können auch Kinder TM erlernen? Und falls ja, gibt es negative Nebenwirkungen?
Antwort

Dr. Clark: Kinder können ab zehn Jahren die Technik der Transzendentalen Meditation erlernen. Nebenwirkungen gibt es keine. Die Forschung ist nur auf positive Wirkungen gestossen. Konzentration, geistige Klarheit, Schulnoten, Intelligenz, Kreativität und Selbstachtung – all das verbessert sich. Kinder unter zehn können eine spezielle Kindertechnik erlernen, die sich als harmonisierend und stabilisierend erwiesen hat. Forschungsergebnisse

Frage: Jeder wird einmal irgendwann nervös. Meine Tochter jedoch ist sehr empfindlich. Wenn eine Mathe-Arbeit ansteht, bekommt sie Angstzustände, und auch sonst genügen Kleinigkeiten, um sie aus der Fassung zu bringen. Ist das normal?
Antwort

Dr. Stixrud: Angst ist bei Kindern weitverbreitet. Es ist sogar so, dass es sehr, sehr viele Kinder mit Angststörungen gibt, ohne dass dieses diagnostiziert wird. Angst bei Kindern nimmt man einfach nicht hinreichend ernst. Sie sollte aber ernst genommen werden, weil Angst anderen seelischen Störungen Tür und Tor öffnet. Wenn man Erwachsene mit Depressionen untersucht, stellt man fest, dass so gut wie alle in ihrer Kindheit mit Angst zu kämpfen hatten.

Einer der weltweit besten Experten auf dem Gebiet der Stressforschung vertritt die Ansicht, dass Depression das Ergebnis einer lang anhaltenden Stressreaktion ist. Anders gesagt: Wenn Sie als Kind häufig Angst haben und Ihre Stressreaktion – wir können auch sagen: Ihre Kampf-oder-Flucht-Reaktion – fortwährend versucht, Sie zu schützen und Ihr Gehirn und Ihren Körper mit Stresshormonen überschüttet, dann funktioniert das nur eine Weile. Am Ende jedoch erlahmt die Stressreaktion, Sie geben auf und fallen in die Depression.

Bei Kindern gehen Angststörungen oft vorüber – egal, ob es sich um Panikattacken handelt, Trennungsängste oder allgemeine Angstzustände. Irgendwann verschwindet das. Bei nicht wenigen aber kehren diese Probleme mit der Angst immer wieder zurück. Und es sei noch einmal daran erinnert: Ängste während der Kindheit sind das sicherste Vorzeichen für spätere Probleme mit seelischer Gesundheit.

Aus diesem Grund raten Experten dazu, das behandeln zu lassen. Wenn Ihr Kind unter Ängsten leidet, sollten Sie das behandeln lassen. Nicht nur, um es von dem Leid zu befreien, sondern auch deshalb, weil die Ängste eher schlimmer werden, wenn man sie nicht behandelt. Wenn Sie es schaffen, seine Angststörungen wirkungsvoll zu behandeln, verringern Sie die Wahrscheinlichkeit, dass es später Depressionen entwickelt, Suchtverhalten entwickelt oder andere psychische Gesundheitsprobleme. Angst zu behandeln ist also sehr wichtig. Forschungsergebnisse

Frage: Welche Therapien könnten meiner Tochter helfen?
Antwort

Dr. Stixrud: Eine der am besten dokumentierten Methoden, der Angst von Kindern zu begegnen, ist, ihnen beizubringen, sich tief zu entspannen. Ich bin der Auffassung, dass sich Transzendentale Meditation hier zu einem ganz wichtigen Instrument entwickeln wird, nicht nur bei der Behandlung von Kindern mit Angststörungen, sondern auch als Mittel, Angststörungen vorzubeugen. Dies deshalb, weil Angststörungen im Wesentlichen übersteigerte Kampf- und Flucht-Reaktionen sind. Und aus der Forschung wissen wir, dass die Praxis Transzendentaler Meditation im Lauf der Zeit diese Kampf-oder-Flucht-Reaktion zunehmend normalisiert und effizienter arbeiten lässt. Forschungsergebnisse

Frage: Ist nicht ein gewisses Mass an Stress gut für uns?
Antwort

Dr. Stixrud: Uns geht es nicht darum, dass die Menschen niemals mehr Angst haben. Wenn etwas Bedrohliches auf uns zukommt, will man sehr wohl, dass eine gewisse Angst entsteht. Sie sollten dann schon etwas Stress empfinden, denn das sorgt dafür, dass Sie von dem Angreifer wegrennen oder sich aus der Gefahrensituation entfernen. Das Programm der Natur sorgt mit Hilfe der Flucht-oder-Kampf-Reaktion dafür, dass wir mit Gefahr erfolgreich umgehen.

Was wir aber wollen, ist, dass die Stressreaktion optimal abläuft, sodass wir in einer wirklichen Gefahrensituation gut mit ihr umgehen können. Danach aber ist es vorbei, unsere Stresshormone normalisieren sich wieder und es bleibt keine chronische Angst zurück. Sorgen und Zwänge werden nicht chronisch. Das Potenzial Transzendentaler Meditation, Kinder sozusagen gegen Angst zu impfen, ist enorm: und nicht nur gegen Angst, sondern auch gegen all die anderen Probleme, die sich aus chronischer Angst in Kindheit und Jugend ergeben. Forschungsergebnisse

Frage: Mein heranwachsender Sohn leidet nicht nur unter Angst, sondern ist auch oft deprimiert. Wäre Transzendentale Meditation etwas, das ihm helfen könnte?
Antwort

Dr. Clark: Angst und Depression sind Stresssymptome. Kinder und Heranwachsende sind zuhause und in der Schule häufig Stress ausgesetzt, ähnlich, wie das Erwachsene bei ihrer Arbeit und in ihren Beziehungen erleben. Wissenschaftliche Untersuchungen haben zeigen können, dass die TM-Technik nicht nur Stress reduziert – sie lässt auch das innere Glück anwachsen, und das führt zu grösserer Flexibilität, Sozialkompetenz und Selbstachtung. Wenn Kinder und Heranwachsende das Programm der Transzendentalen Meditation erlernen, dann ziehen sie ihre Anerkennung eher aus ihrem Inneren anstatt aus der Aussenwelt. Und das wiederum führt zu grösserer Unabhängigkeit. Sie können sich dann gegenüber dem Gruppendruck besser behaupten.

Die Forschung zeigt, dass bei regelmässiger Praxis Transzendentaler Meditation Schüler und Studenten ihre schulischen und akademischen Leistungen und sozialen Fähigkeiten deutlich verbessern. Ein schlagendes Beispiel für eine Schule, in der die Schüler die Technik der Transzendentalen Meditation praktizieren, ist die MAHARISHI SCHOOL OF THE AGE OF ENLIGHTENMENT IN FAIRFIELD, IOWA, USA. Die Schüler dort zeichnen sich immer wieder durch Höchstleistungen aus: in wissenschaftlichen Fächern, in der Kunst, im Sport. Forschungsergebnisse

Frage: Mein Sohn ist begabt, aber er schafft es irgendwie nicht, das auch umzusetzen. Wäre die TM-Technik etwas, was ihm da helfen könnte?
Antwort

Dr. Clark: Manchmal zeigen begabte Schüler deshalb nicht entsprechende Leistungen, weil sie gestresst, deprimiert oder gelangweilt sind. Doch wenn man die Technik der Transzendentalen Meditation erlernt und sie regelmässig praktiziert, dann gehen diese Symptome von Stress, Depression und Langeweile zurück. Und weil es sich innen nun aufhellt und die Lebensfreude zunimmt, wächst auch die Fähigkeit, andere und das eigene Umfeld zu akzeptieren. Ein wirklich begabter Schüler ist nicht nur intelligent. Nicht der Verstand allein sorgt dafür, dass ein Kind gut durch die Schule kommt und zu einem Schüler heranwächst, der sich ganz entfaltet. Ein wirklich gesunder und begabter Schüler ist nicht nur gesund, sondern auch glücklich und sozial integriert. Forschungsergebnisse

Frage: Meine Tochter leidet unter Übergewicht. Ich mache mir Sorgen um ihre Gesundheit. Kann hier Transzendentale Meditation helfen?
Antwort

Dr. Clark: Übergewicht gehört heute zu den dominanten Gesundheitsproblemen bei Kindern und Jugendlichen. Daraus hat sich in den vergangenen 20 Jahren eine regelrechte Epidemie entwickelt, mit langfristigen Folgen für die Gesundheit. Übergewicht in der Kindheit steht in Zusammenhang mit späterem Diabetes und mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Übergewicht hängt einerseits mit schlechten Essgewohnheiten zusammen, andererseits aber auch mit mangelnder Bewegung. TM-Praktizierende berichten sehr oft, dass sie sich mehr in Einklang fühlen mit ihrem Körper, seitdem sie angefangen haben zu meditieren. Das liegt daran, dass Transzendentale Meditation dem System tiefe Ruhe anbietet und Stress auflöst. Erschöpfung und Stress blockieren wichtige Feedback-Mechanismen zwischen Körper und Geist. Wenn sich Kinder wacher und klarer fühlen durch regelmässige Meditation, dann finden sie leichter zu gesünderer Nahrung und Aktivität.

Forschungsarbeiten über die Technik der Transzendentalen Meditation zeigen, dass die Energie wächst und der Körper ausgeglichener zu arbeiten beginnt. Bei regelmässiger Praxis findet, wer sich eher lethargisch fühlte, leichter zu körperlicher Aktivität. Aus diesem Grund könnte Transzendentale Meditation das Allerwichtigste sein, was ein Kind, das mit seinem Gewicht zu kämpfen hat, für seine Gesundheit tun kann. Forschungsergebnisse